Wenn jeder macht, was er will
„Damals gab es keinen König in Israel, und jeder tat, was er für richtig hielt“. (Richter 17,6) Die Idee klingt verlockend: Niemand redet uns hinein, wir bestimmen unsere eigenen Werte und schreiben unsere eigenen Regeln. Doch das Versprechen schrankenloser Selbstbestimmung entpuppt sich schnell als Falle. Wo feste Orientierung fehlt, verwandelt sich Freiheit persönlich und gesellschaftlich unbemerkt in einen kräftezehrenden Balanceakt. Das Buch Richter hält uns dabei einen überraschend ehrlichen Spiegel vor: Es zeigt keine makellosen Heldengeschichten, sondern Menschen, die trotz bester Absichten stolpern. Doch genau hier entfaltet sich die radikale Entlastung der Bibel: Gottes Gnade ist kein Belohnungssystem für Erfolgreiche, sondern sein unerschütterliches Festhalten an uns: Gerade dann, wenn unsere Eigenregie zusammenbricht.


















